Berufliches

Nach einem Studium an der Fachhochschule für Bauwesen in Minden (1969 – 72) als junger Bauingenieur bei Dietrich Mehlhose in Herford zunächst bis 1981 angestellt tätig und nach weiteren 10 Jahren angestellter Tätigkeit und beruflicher Entwicklung in einem Hamburger Spezialunternehmen zum Fachmann für Flachdächer & thermische Bauphysik geworden, wurde ich nach dem Beginn meiner selbständigen Tätigkeit in 1991 am 11.11.1994 von der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld zum öffentlich bestellten und vereidigten (ö.b.u.v.) Sachverständigen für Flachdächer und 2 Jahre später auch für thermische Bauphysik berufen.

Meine Neigung zum ökologischen Bauen in Holz, ausgelöst durch Fa. Isofloc, brachte meine Freunde und mich 1993 zur Gründung des AKÖH e.V.. Dieser Arbeitskreis Ökologischer Holzbau, ein damals bundesweit tätiger interdisziplinärer Verein von Zimmermeistern, Holzbauern, Architekten + Ingenieuren und Baustoffherstellern, der bis zu 200 Mitglieder umfasste, ist 2010 aufgegangen im Deutschen Holzfertigbau-Verband, und wurde dort als interner Arbeitskreis weitergeführt bis zum Herbst 2024 um ihn dann zu beenden – weil man ihn nicht mehr benötigte: mittlerweile arbeiten alle DHV-Mitglieder nach den AKÖH-Kriterien! Mir hat diese Entwicklung sehr viel Freude + Freunde und eine Ehrenmitgliedschaft im DHV eingebracht! Fortgeführt wird die Arbeit im DHV von unserem damaligen Vorsitzenden Ahmed Al Samarraie, der nicht nur seit der Gründung die Geschicke des AKÖH e.V. gelenkt hatte sondern jetzt im DHV-Vorstand verantwortlich ist für die Belange der Ökologie + Gesundheit der Baustoffe und das Hauptstadt-Büro des DHV in Berlin leitet.

Nach meiner beruflichen Neuorientierung hin zum Qualitätsmanagement für sehr große Flachdächer, wie diese von der Logistik-Branche überall in Deutschland und Europa gebaut wurden, war dann mein Wachmacher die Begleitung einer Logistik-Immobilie mit 23 ha (230.000 m²) Dachabdichtungen aus PVC – das entspricht fast 400 m³ PVC-Folien mit einem Gewicht von fast 500 to! Die wurden von mehr als 20 großen Sattelschleppern angeliefert, von denen (wenn man die darin enthaltenen Weichmacher separieren könnte) 7 große LKW-Sattelschlepper nur Weichmacher transportiert haben würden!

Solche großen Flachdachabdichtungen darf es aus meiner Überzeugung nur noch geben, wenn diese gleichzeitig genutzt werden als Energie-Äcker, also Standflächen für PV-Anlagen und mit Dachbegrünungen, die mit Retention oder sogar Wasseranstau + antizyklischer Entwässerung eine sehr gute Biodiversität aufweisen. Denn auf einer solchen Dachfläche von 23 ha kommen bei einem normalen Regen in 1 Sekunde etwa 8 m³ also 8.000 l Regenwasser zusammen, die eben nicht auf natürlich begrünte Flächen niederregnen. Mit einer fachgerechten Begrünung kann man nicht nur dafür sorgen, dass sich die Biodiversität nicht nur auf wenige Mikroben reduziert…

Dachbegrünung auf einem großen Flachdach!!www.iqdf.de

…man kann auch durch eine antizyklische Entwässerung dafür sorgen, dass das Regenwasser nicht nur die Begrünung versorgt sondern insbesondere in städtischen Quartieren die sommerliche Überhitzung vermeidet und dort im Zeichen immer häufigerer Starkregen-Ereignisse die teilweise 150-jährige Regenwasser-Kanalisation nicht immer wieder überlaufen läßt!

Mittlerweile weiß man, dass die Entsiegelung solch großer Flachdächer entscheidend nicht nur die unmittelbare Biodiversität fördert sondern auch den Klimawandel viel stärker bremst, als die Einsparung von CO2.

Als Qualitäts-Sicherer für riesige Flachdächer initierte und gründete ich gemeinsam mit Kollegen in 2017 den IQDF e.V. und war bis zum 1.12.2025 Vorstandsmitglied + Geschäftsführer. Wir haben in 2018, 2019, 2022, 2024 und 2025 fünf bundesweit wichtige Kongresse veranstaltet, der Kongress 2020 musste wegen Corona verschoben werden und die vorgesehenen Vorträge wurden ersatzweise im Mai + Oktober 2021 an 3 Tagen über das Internet an die Teilnehmer übertragen. Die hervorragenden Vorträge wurden aus den Studios von zwei IQDF-Mitgliedern „gesendet“ und können – wie die früheren Vorträge auf der website des IQDF https://www.iqdf.de angeschaut und heruntergeladen werden. (wegen der Zugangsdaten bitte mich anrufen!)

Und im Mai `21 gab`s eine Bestätigung für unser Tun:

Prof. Dr. Michael Braungart, der Erfinder des cradle-to-cradle-Prinzips hatte in seinem Online-Vortrag am 20.5.2021 unsere Frage, ob auch Flachdach-Produkte diesem Prinzip unterliegen könnten, damit beantwortet:

Ja natürlich! Wenn Flachdächer nützlich sind!

Also, über den üblichen Nutzen, ein Gebäude vor Regenwasser zu schützen, nützlich zu sein mit entprechender Wärmedämmung, als Untergrund für PV-Anlagen und Begrünungen, mit denen nicht nur das Regenwasser-Management möglich ist sondern die Biodiversität erhöht wird. Solche Begrünungen schützen auch die Flachdächer vor Brandgefahren durch Lichtbögen, die von fehlerhaften PV-Anlagen ausgehen können.

Zunehmender Schwerpunkt meiner Tätigkeit wurde deshalb die „Nützlichkeit“ von Flachdächern, nachdem ich seit 11.11.2021 nach mehr als 27 Jahren nicht mehr als ö.b.u.v. Sachverständiger tätig bin.

Im Oktober ´22, im März ´24 und im September `25 konnten wir uns auf unserem 3., 4. und 5. IQDF-[Qualitäts]- Management-Kongress endlich auch wieder persönlich treffen und das „Flachdach4 aus der Taufe heben.

Zusätzlich hatte ich neue Schwerpunkte unserer Arbeit gefunden:

  • Es gibt einen virtuellen IQDF-Stammtisch – online, alle 2 Wochen freitags morgens um 8:00 Uhr, der jetzt schon über 100 x stattgefunden hat, an dem sich bundesweit erfolgreiche Flachdach-Spezialisten, die Freunde der höheren und gehobenen Flachdachkunst, fachlich austauschen.
  • Wir wollen eine „Vorarbeiter-Akademie“ gründen, in der die wichtigsten Mitarbeiter auf den sehr großen Flachdächern, die Vorarbeiter – also jene, die nicht nur den Bulli-Schlüssel haben, um ihre Mannschaft auf die Baustelle zu fahren, sondern den ganzen Tag aufpassen, dass die Abdichtungsarbeiten richtig ausgeführt werden, alle Voraussetzungen dazu bekommen.
  • Insbesondere die Unternehmer dieser speziellen Kunst, das Flachdach als entscheidenden Teil der Gebäudehülle zu errichten, zu begrünen und mit PV-Anlagen zu belegen und zu pflegen können so dafür sorgen, dass mit Hilfe der „Vorarbeiter-Akademie“ deren wichtigste Mitarbeiter, unter realen Bedingungen geschult werden, mit hochwertigen Materialien nicht nur Flachdächer zu bauen, die wirklich > 35 Jahre dicht sind, sondern die Biodiversität wiederherstellen, Energie zu ernten und die Kanalisation zu entlasten!
  • arbeiten wir noch am einem Leitfaden für die substanzerhaltende Modernisierung von Flachdächern – u.a. um sie tauglich zu machen für die Aufständerung von PV-Anlagen – möglichst ohne sie vorher abzureißen.

Persönlich helfe ich – als Mitglied in der DGA-Bau e.V. – gern bei der außergerichtlichen Streitbeilegung solchen Parteien, die sich zwar streiten, aber lieber eine kostengünstigere und schnellere Lösung für ihren Rechtsstreit suchen als eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Und zwischendurch mach ich auch gern mal Vorträge zu den Themen Gebäudehülle, Ökologisches Bauen, Substanzerhaltende Modernisierungen von Flachdächer zu nützlichen Flachdächern – solange es Spass macht.

Und ich habe wieder beim DHV angeklopft mit der Bitte und einer Idee, dass soeben eingestampfte DHV-Haus wieder aufzuwecken als DHV-Haus 2.0:

  • das DHV-Haus 2.0 sollte z.B. ein „Flachdach5“ (zusätzlich 1. zur Dichtigkeit über 50 Jahre mit einer EPDM-Abdichtung, 2. der für Jahrzehnte genügend dicken Wärmedämmung, 3. der Begrünung, 4. der PV-Anlage und 5. der Wasserspeicherung mit antizyklischer Entwässerung, um das teilweise > 150 Jahre alte Kanalnetz bei Starkregen zu entlasten.) haben – aufgebaut auf einer massiven Deckenplatte aus Brettsperrholz!
  • das sollte z.B. auch eine Bodenplatte aus Holz haben – über einer Perimeter-Dämmung aus Glapor, einem Recycling-Schaumglas
  • und die Holzfertigbauwände sollten mit Zellulose-oder Holzfaser-Einblasdämmung und einer Putzträgerplatte aus einer Holzfaser-Dämmplatte und einem Putz versehen sein, der keine Herbizide braucht und trotzdem nicht von schwarzfärbenden Algen befallen wird!
  • Das DHV-Haus 2.0 sollte gemäß meinen Vorstellungen nicht nur aus wohngesunden + ökologischen Baustoffen bestehen sondern auch die weiteren Attribute erfüllen, die im Sinne der Nachhaltigkeit unverzichtbar sind.

Derzeit will ich endlich mein Buch zu Ende schreiben:

Es soll den Titel tragen:

Wo nichts ist – ist wenig viel, oder:

es ist einfacher die Zukunft zu gestalten als sie vorherzusagen 

Artgerechte Menschenhaltung für selbst-Denker!

Ein ziemlich langes Vorwort zum Titel:

Eigentlich wollte ich ein Buch schreiben über die baupraktischen Erkenntnisse, die ich im Laufe der letzten 50 Jahre ansammeln konnte – jetzt geht`s aus gegebenem Anlass auch um soziale Erkenntnisse, die vor allem in den letzten 25 Jahren dazugekommen sind und aufgrund der Erfahrungen der letzten 6 Jahre sogar um gesundheitliche Fragen +  Einblicke!

Dass es trotzdem nicht dicker geworden ist, zeigt nicht, dass nicht zwischenzeitlich eine unvorstellbare Menge von Erkenntnissen angeboten wurden. Es zeigt vielmehr, dass sich viele als angeblich so wichtige Erkenntnisse dann doch nicht als so wichtig herausgestellt haben – wenn man kein allumfassendes und auch noch  interdisziplinäres Fachbuch schreiben, sondern, getreu dem Titel, mit wenig viel erreichen will! 

Insbesondere viele als außergewöhnlich wichtig daher kommenden Gesprächsbeiträge, Vorträge, Seminare, Tagungen, Manuskripte  stellen sich in der Rückschau zwar als grundsätzlich richtig – oder mindestens nicht falsch – aber auch als viel zu umfangreich dar, sie an dieser Stelle zu berücksichtigen.    

Übrig geblieben sind z.B. die Grundgesetze des Bauens, die quasi wie Naturgesetze unumstößlich gelten:

Lt. Wikipedia wird als Naturgesetz in den Naturwissenschaften und in der Wissenschaftstheorie die orts- und zeitunabhängige und auf Naturkonstanten beruhende Regelmäßigkeit von Naturerscheinungen bezeichnet. Die Pluralform „Naturgesetze“ bezeichnet darüber hinaus die Gesamtheit dieser Regelmäßigkeiten, einschließlich solcher, die noch nicht entdeckt oder formuliert wurden, unabhängig von ihrer spezifischen Formulierung. Die Naturgesetze sind durch den Menschen nicht beeinflussbar im Gegensatz zu staatlichen und sozialen Gesetzen. Eine genaue, einheitliche und abschließende Definition des Begriffs existiert derzeit nicht.  

Lt. meiner Definition wird als Grundgesetz in der Baukunst die orts- und zeitunabhängige und auf Naturkonstanten beruhende Regelmäßigkeit der teilweise jahrtausende alten, bewährten und allgemein anerkannten Regeln der Baukunst verstanden. Die Pluralform „Grundgesetze“ bezeichnet darüber hinaus die Gesamtheit dieser Regelmäßigkeiten, einschließlich solcher, die noch nicht entdeckt oder formuliert wurden. Die Grundgesetze des Bauens sind durch den Menschen nicht beeinflussbar im Gegensatz zu staatlichen und sozialen Gesetzen. Eine genaue, einheitliche und abschließende Definition des Begriffs existiert derzeit meines Wissens noch nicht. 

Und aus meiner Sicht gibt es auch ein “Naturgesetz”, dass heißt: “Wo nichts ist – ist wenig viel” und ich habe diesem “Naturgesetz” zwei Logos gewidmet…: muss von Elena kommen   

…weil es einmal für eine positive Wirkung und einmal für eine negative Wirkung angewendet werden kann.

Für diese Formel, die zwar nicht mathematisch/physikalisch gilt aber ethisch/philosophisch bedeutsam ist, gibt es viele Beispiele:

Ich habe jedenfalls viele Beispiele entdeckt, die diese These positiv beweisen:.

  • Für den Obdachlosen ist ein Schlafsack unter der Brücke und eine heiße Suppe   genau so lebensrettend
  • wie für den Verdurstenden in der Wüste eine Flasche Wasser
  • für die alleinstehende Rentnerin kann ein kurzes, aber nettes Gespräch im Treppenhaus den ganzen Tag retten
  • und inbesondere wenn unsere Bankkarte gesperrt ist, sind ein paar Münzen “Gold wert”

Es gibt aber auch viele Beispiele, die die negative Bedeutung beweisen können:

  • ein im Labor gezüchtetes Virus, dass eine weltweite P(l)andemie auslöst
  • eine von einem angeblichen Wissenschaftler an der Charité erfundene PCR-Formel, die von der WHO weltweit empfohlen wurde, dieses Virus nachzuweisen
  • ein Tropfen eines gentechnisch modifizierten sog. mRNA-Impfstoffs (mRNA ist keine „Medizin“!) der unsere Zellen in Fabriken für ein fremdes Protein ohne Ausschalter verwandelt
  • die magnetisierten Nano-Partikel, die ins Gehirn injeziert, nicht nur Ratten fernsteuerbar machen – das gelingt auch schon beim Menschen
  • die Wirkung einzelner Politiker, die Kriege auslösen können

Und es gibt auch Phänome, insbesondere jene, die mit Recht und Gerechtigkeit zusammenhängen, die sich mit der Formel Wni_iwv nicht abbilden lassen:

–       Wenn z.B. ein Straftäter eine milde Strafe für eine nachgewiesene Vergewaltigung bekommt, weil Frauen und Mädchen für ihn nicht die gleichen Rechte wie Männer haben, und er durch seine Flucht aus Afghanistan paralysiert und nicht zurechnungsfähig ist

–       oder wenn ein Politiker sehr milde bestraft wird, obwohl er nachgewiesen einem Lobbyisten so erhebliche Vorteile verschafft hat, dass der damit Millionen an öffentlichen Mitteln abgegriffen hat

–       oder wenn ein Arzt ein Maskenattest ausgestellt hat und dafür 3 Jahre ins Gefängnis geht, weil er die Schülerin gar nicht persönlich untersucht hat

–       oder wenn ein Vater seiner Tochter, die im Haushalt der alleinerziehenden Mutter lebt, zu Weihnachten einen Gutschein über 15 € und seiner Freundin eine 5-tägige Reise nach London in ein 4-Sterne-Hotel schenkt.

Für mich gehören positiv zur Formel Wni_iwv aber vor allem auch viele baupraktische Erkenntnisse.

Auch und vor allem jene, die ich nicht vergessen habe, weil sie wichtig & richtig waren – oder essentiell, wie Robert Borsch-Laaks (RBL) sie genannt hat – als er Anfang der 1990er Jahre auf diversen Veranstaltungen die 7 Essentials vorstellte, die ein Niedrigenergie-haus ausmachen. Er unterstellte dabei, dass es sich um Gebäude handelt, die in nörd-lichen Hemispähren gebaut werden, in denen also das Klima mindestens im Winter ein Wohnen nur in beheizten Häusern ermöglicht.   

Die musste man sich nicht aufschreiben. Weil sie so richtig waren, dass man sie nicht einfach vergessen konnte: 

  1. kompakte Bauform
  2. dicke Wärmedämmung
  3. solare Wärmegewinnung
  4. Vermeidung von Wärmebrücken
  5. luftdichte Gebäudehülle
  6. mechanische Lüftung
  7. flinkes Heizsystem

Da steht nicht die dicke Dämmung oder die ach so wichtige Haustechnik an 1. Stelle  sondern die kompakte Bauform.

Das Niedrigenergiehaus ist längst Geschichte, jetzt gibt`s Passivhäuser, AktivHäuser oder Plusenergiehäuser – geblieben ist die Richtigkeit der Essentials und ihre Reihenfolge!

Auch wenn man mit ganzen Wagenladungen von Magazinen bis heute versucht hat, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) als das wesentlichste Element eines energieeffektiven Hauses darzustellen – die TGA kommt nicht zuerst sondern zum Schluss, dieses Grundgesetz hat auch Herr Habeck mit seiner Wärmepumpen-Initiative nicht ändern können.

Schon Leonado da Vinci kann zitiert werden mit: „Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse.“

So wie es für die Zukunft keinen technologischen Wandel braucht, bevor es einen Kulturwandel gibt (Henning Austmann)  – der ja  offensichtlich ein soziales Phänomen ist und kein technisches – kommt es vor allem darauf an, sie zu gestalten statt sie vorhersehen zu wollen.

Diese Weisheit habe ich von unserem ältesten Sohn Christian Adriaans gelernt, der Willy Brand`s  Ausspruch: Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten etwas umgewidmet hatte im Sinne von Einstein, dass insbesondere “das einfache” anzustreben sei.

Einstein hatte gesagt: Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher und wollte damit vermutlich ausdrücken, dass auch das Einfache richtig sein muss, stimmen muss, ein Bayer würde sagen: nur net hudle!

Werner Eicke-Hennig, der insbesondere das hessische NEH-Programm initiiert und gefördert hatte, hatte in seinem Aufsatz:  Neue Bauweise – altes Denken? geschrieben:

“Anders als den Tieren fehlt uns Menschen der Schutz vor der Witterung: Wir haben statt Gefieder und Fell nur unsere nackte Haut. Der sichere Kältetod zwingt den Homo sapiens zum Bau schützender Behausungen. Da wir Menschen über keinen genetischen Code für den perfekten „Nestbau“ verfügen, haben wir spärlich angefangen und entwickelten unsere Behausungen mit den Jahrtausenden immer weiter. Die Triebfeder waren vor allem die Knappheit der Baustoffe, hervorgerufen durch eine wachsende Bevölkerungszahl und die Nutzung der Bauerfahrungen zur Schaffung gesünderer, dauerhafterer und kostengünstigerer Gebäude. “

Wenn man sich mal ein 150 Jahre altes Haus mit 40 m² Wohnfläche in Småland in Südschweden vorstellt, das Gebäude also sehr klein, die Kompaktheit groß und die Dicke der Dämmung an die zum Zeitpunkt der Errichtung vorliegende Haustechnik angepasst – und bis heute nicht erhöht, dann kann zur Verbesserung der Einscheibenverglasung schon eine aufgefönte Folie, zugestopfte Ritzen zur Vermeidung von Zugerscheinungen oder eine Innendämmung geringer Stärke sofort viel ändern – wo nichts ist – ist wenig viel.

Und dass zur Vermeidung von Wärmebrücken 1 cm Wärmedämmung an der richtigen Stelle und zur Vermeidung von Zugerscheinungen ein Vorhang sehr wirkungsvoll sein können, gehört ebenso zu den Essentials, die Ingo Gabriel auf der legendären e.[u]z.-Baufachtagung 1991 ausgesprochen hatte:  

Das beste Niedrigenergiehaus ist ein Zelt im Vorgarten mit einem Daunenschlafsack drin!

Damit hatte er für Suffizienz geworben, für ein Phänomen, das man früher als Begriff im vorliegenden Zusammenhang ebenso wenig kannte wie heute – jedenfalls nicht gebraucht hat – obwohl es zu früheren Zeiten praktisch alltäglich geübt wurde…

…wenn z.B. in dem Haus in Småland 4 Leute lebten mit dann je 10 m² Wohnfläche/ Bewohner und der Energie-Bedarf pro Kopf schon vor 150 Jahren kleiner war als heute im Passivhaus!

Oder denken Sie an die Menschen in Kambodscha, Vietnam, Bangladesh oder ganz  Indochina, die uns unsere Kleidung schneidern und heute noch auf 10 m² pro Näherin leben.

Diese 10 m² Wohnfläche scheinen wirklich ein nicht mehr zu unterschreitendes Minimum zu sein, in dem man gerade noch menschenwürdig leben könnte. Mindestens  war das auch die Forderung englischer Sozialreformer im 19. Jahrhundert, die statt der damals wohl tatsächlich nur 8 m³ Luftraum für einen Arbeiter ein Minimum von 25 m³ forderten – was bei 2,5 m Raumhöhe ja 10 m² Wohnfläche bedeutet.  

Natürlich ist so eine geringe Wohnfläche nicht zeitgemäß. Aber die Hälfte der heute in Deutschland tatsächlichen Wohnfläche/Kopf von 47 m², also 23,5 m², kann schon ausreichend sein und entspricht vor allem dem (positivlogo)-Naturgesetz.

Wenn man an Familien mit 3 Kindern in einer 125 m² Wohnung denkt, könnte man schon anfangen neu zu entdecken, dass es richtig sein könnte:  

genügend statt möglichst viel oder immer alles! zur Verfügung zu haben!

…oder wie Claus Szypura gesagte hatte: besser mehr weniger!

Es kommt ja auch nicht nur in Familien auf viel mehr an als auf eine durchschnittliche Wohnfläche – die Liebe der Menschen untereinander in der Familie, der Respekt und die gegenseitige Zuneigung in einer Wohngemeinschaft, die Hochachtung und Zufriedenheit eines Rentner-Paares nach 65 Jahren gemeinsamem Leben!

Aber die meisten Menschen in unseren Breiten kennen den Begriff Suffizienz gar nicht, die kennen nur die Insuffizienz, z.B. als Herz-Insuffizienz: also als ungenügende Leistung des wichtigsten menschlichen Organs!

Und daran lässt sich Suffizienz ja auch am besten erklären: von Hause aus arbeitet auch unser Herz suffizient – immer mit der genügenden Leistung nach dem Motto: Es ist nie zu wenig was genügt!

Nur wenn wir mehr brauchen – beim Marathon-Lauf, bei besonders kniffligen beruflichen Herausforderungen, wenn wir Angst haben – dann pumpt es natürlich mehr!

Und unsere Mutter Erde, als Organismus, den wir permanent überfordern, reagiert genauso wie ein permanent überfordertes Organ: mit Insuffizienz, mit Überforderung!!

Ein Passivhaus mit 180 m² Wohnfläche für zwei Leute, die beide ganztägig arbeiten müssen, um sich ein solches Haus, aber dadurch keine Kinder leisten zu können, die dann für den Weg zur Arbeit auch noch 2 Autos brauchen, können ein noch so effizientes Haus mit noch so effizienten Autos mit bluetec-Verbrennungsmotoren, mit plug-in-hybrid-Technik oder vollelektrischen SUVs  kombinieren, sie kommen um die mir in einem Vortrag bei der Bundesstiftung Umwelt Anfang der 1990er Jahren von Michael Braungart klar gewordene Wahrheit nicht herum:

Er ordnete den von der Wirtschaft und auch von (fast) allen Bauschaffenden angebeteten Begriff “Effizienz” neu ein mit seiner Aussage:

  • Effizienz steht für Kurzfristigkeit, Effektivität für Langfristigkeit.
  • Das Effizienzdenken ist ein Mangelsystem. Man versucht, mit immer weniger von etwas auszukommen, zu vermeiden, zu sparen. Doch das ist der falsche Weg.
  • Effektivität heißt, die Dinge grundlegend richtig zu machen.

Stellen Sie sich einen Apfelbaum vor mit einer Million Blüten, von dem aber nur 10.000 Äpfel geerntet werden können oder die 1 Million Spermien, aus denen mit einer Eizelle nur 1 Kind entsteht –  dass ist vielleicht nicht effizient, das ist aber  Effektivität!

Und um dieses „grundlegend etwas richtig zu machen“, darum soll`s in diesem Buch gehen – und u.a. darum, Glück zu empfinden und Erkenntnisse zu gewinnen, die man bisher vielleicht gar nicht vermißt hat.

Das heißt unter anderem auch, dass Sie dieses Buch quer Beet lesen können, von vorn nach hinten oder von hinten nach vorn oder aus der Mitte heraus: 

–    die einzelnen Kapitel haben nur insoweit miteinander zu tun, dass sie alle grundlegend & einfach & richtig sein sollen!

Die Einordnung kommt dann von allein.

Wie bei der „Steigerschen Formel“, der von Peter Steiger (auch auf der 91er Baufach- tagung in Eldgasen) vorgestellten Grundformel für die Nachhaltigkeit beim Bauen.

Das sind nicht 63 Bausteine wie bei der DGNB-Zertifizierung, die bei großen Objekten ganze Aktenschränke und vor allem die Brieftaschen der Zertifizierer füllen –    

da gibt`s nur ein Grundgesetz für die Einordnung des Bauens, das sich aus der Kombination von 4 Randbedingungen ergibt, die sich am besten grafisch darstellen lassen…

Abbildung 1: Steiger`sche Matrix

…und das für die Einordnung des Bauens im Sinne der Nachhaltigkeit nicht mehr zu vereinfachen ist.

Die Idee des vor Ihnen liegenden Buches unterlag für`s Bauen nur dieser einen Grundformel, es bietet keinen darauf gegründeten Baustoff- oder Bauelement-Katalog, keine Ökobilanzierung (die wäre ja ein eigenes Buch) und setzt für den Versuch einer Anwendung selbstständiges Denken voraus.

Es verzichtet weitestgehend auf Glaubenssätze, wenngleich es auch Phänomene beschreibt, die für viele Leser als naturwissenschaftlich (noch) nicht bewiesen gelten:

Wie die Wirkung elektromagnetischer Strahlung, die beim Wohnen ein durchaus wichtiges Element ist, dass ich versuche, mit meinem Wissen soweit zu erklären, dass man schädliche Auswirkungen möglichst vermeidet.

Wie die Wirkung von Licht und Farben auf den menschlichen Organismus, die Wirkung von Architektur, Design, Duft, Geräuschen etc. auf die Bewohner – eher ein gesund-heitliches als ein technisches Phänomen!

Das Buch widmet sich den Fragestellungen rund ums Bauen vordergründig aus der Sicht der Naturwissenschaft, der Biologie, der Chemie und der Physik  – und der Gesundheit.

Und damit muss man dann doch die Fragen verbinden, die immer wieder in den Focus drängen:

  • Wie sieht`s eigentlich mit Erdstrahlen aus? Man hat doch schon mal davon gehört, dass es Menschen gibt, die mit einer Wünschelrute über den Baugrund laufen, und Wasseradern finden und empfehlen, just dort nicht das Schlafzimmer hinzustellen, mindestens nicht die Betten.
  • Diese Radiästhesie genannte Technik, die man früher vor allem genutzt hat, Wasseradern zu finden, um dort einen Hausbrunnen zu bauen, kann tatsächlich nach dem Motto à Wni_iwv, für sensitive Menschen eine wichtige Hilfe sein, gut schlafen zu können.
  • Zusätzlich sind in bestimmten Regionen in Deutschland in diesem Zusammenhang Baugrunduntersuchungen auf Radon-Gas sehr wichtig! Dieses Gas, das quasi als Zerfallsprodukt radioaktiver Substanzen aus dem Boden austritt, tritt regional sehr unterschiedlich auf.
  • Aber wenn man ~ 6 % aller Lungenkrebsfälle in Deutschland auf die Wirkung von Radon-Gas zurückführt, dann ist es eben wichtig, Vorsorge zu treffen, wenn man in einer Region bauen will, die in der oben gezeigten Karte als betroffen ausgewiesen ist.
  • Dann kommt man beim Bauen eines Kellers eigentlich nicht um eine “weiße Wanne” herum, also einen Keller aus WU-Beton (wasserundurchlässigem Beton), der auch kein Radon reinläßt,
  • wenn man ohne Keller baut, muss in den betroffenen Regionen die Bodenplatte entsprechend gedichtet werden.

Das Buch widmet sich aber nicht vor allem der  Metaphysik oder der bei vielen Baubiologen üblichen feinstofflichen Sicht auf die Dinge.  Die will ich gar nicht bestreiten, die gibt`s natürlich, die stehen entsprechend dem Motto des Buches aber nicht im Vordergrund, weil ich darüber zu wenig weiß und diese Phänomene mit diesem kleinen vorliegenden Buch ebensowenig wie mit einem Wochenend-Seminar an der Volkshochschule ausreichend vermittelt werden können!

Viele suchende Anwender kommen bei vielem richtigem Tun mit Ihrem Verständnis oder der Begründung für ihr Tun leider oft über`s glauben und vermuten nicht hinaus – weil die richtigen Essentials fehlen!

Dass das glauben (oder der Glaube) an bestimmte Phänomene für die ernsthaft nachdenkenden Menschen immer eine sehr große Rolle spielt, habe ich gerade bei frei- und selbst-denkenden Menschen immer wieder dadurch bestätigt bekommen, dass diese ihre teilweise bewusste Abkehr von traditioneller Religiosität aber auch gern eintauschen gegen eine esoterische Haltung, die im Bereich des Bauens von oft selbsternannten Fachleuten mit feng shui aufgefüllt wird – also mit Grenzwissenschaft statt kleinem 1 x 1.

Vor natürlichem Wissen, dass aus Erfahrungen kommt und Generation für Generation über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende übertragen wurde, habe ich größten Respekt – die seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert  durch die Quantenphysik zusätzlich aufgedeckten Wissensquellen scheinen unendlich, aber auch hier gibt`s natürlich das Zitat von Einstein:

Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, daß das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.

Natürlich hat sich in der Quantenmechanik seit Einsteins Tod 1955 so viel weiterent-wickelt, wie es auch Max Planck, der Entdecker des Planck`schen Wirkungsquantums zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert oder später auch Heisenberg + Bohr nicht vorhergesehen haben.  

Würde aber Einstein, wenn er noch lebte, seine Aussage, dass Gott nicht würfelt, ggf. heute relativieren?

In diesem Büchlein geht`s nur um die einfach zu begreifenden Dinge, wie sie auch unsere Vorfahren ohne Internet und Hochschulstudium, einfach aufgrund der Weitergabe von Wissen & Erfahrung entwickelt hatten und wie sie sich heute, in einer Zeit exponentieller Entwicklung insbesondere in der Kommunikation nicht mehr verheimlichen lassen.  

Die Weitergabe solchen Wissens scheint mir auch in einem Volkshochschulkurs oder wie heute üblich im Internet gut möglich, aber nur seriös unter der Bedingung, dass die Wissenden/Lehrenden sich ihrer Verantwortung bewußt sind und einfach nur Wissen & Erfahrung weitergeben – und die eigenen Interpretationen nur, wenn sie als solche gekennzeichnet sind.   

Sonst geht nicht nur viel zu viel verloren – sonst wird auch viel zu viel hinzugedichtet.

Statt sich wirklich zu befreien – frei nach dem Motto von Ramesh S. Balsekar:

Wo nichts ist – kann auch nichts fehlen

…oder mit dem Gedicht von Christian Morgenstern:

Es war einmal ein Lattenzaun

mit Zwischenraum, hindurchzuschaun…

das Arne Steffen von werk.um wohl mal durch den Kopf ging, als wir miteinander telefonierten.

Er schickte mir später seine „Telefonnotiz“, die mir seither, angepappt an die Schreibtisch-Lampe in vielen Telefonaten als Blickfang diente.

Und ging es damals um Holzhäuser, u.a. um das sog. Mikado-Haus, dass Arne Steffen, Thomas Lückgen und Erhard Botta von werk.um mal entworfen hatten und um andere Entwicklungen, wie das Kölner Holzhaus von Robert Laur, das T(R)aumhaus von Alexander Ilg, das AKÖH-AktivHaus und die Entwicklungen von Susanne Wartzek und Jörg Sturm: die sog. meta-box und die meta-haus-Plattform.

Wir hatten versucht, den exotischen Status von handwerklich gebauten Holzhäusern aufzubrechen und das Bauen richtiger, energieffektiver und gesunder Holzhäuser für ganz normale Menschen zu verkünden!

….hatten aber wahrscheinlich den Eindruck gemacht, wir hätten zwischen uns und den Kunden einen Lattenzaun errichtet und zu wenig den Eindruck gemacht, dass auch wir den Zwischenraum kannten, um hindurchzuschauen.

Einige Menschen, die ein Haus bauen wollen, lassen sich gar nicht verunsichern von den Fragen des baulichen Gesundheitsschutzes, die anderen lassen sich in der Angst um ihre Gesundheit wieder einzwängen in ein Korsett von Regeln und Auslegungen, die von selbsternannten Sentinels aufgestellt und teilweise für viel Geld vermarktet werden.

Das geht meist einher mit einer Grundangst vor synthetischen Stoffen, die dann am größten ist, wenn man weiß (oder annimmt), dass sie da sind, man sie aber weder sieht noch riecht – weil, dann könnte man sie ja vermeiden.

Dass diese Angst in sehr vielen Fällen berechtigt ist, muss nicht diskutiert werden, das ist bewiesen. Der sog. Holzschutzmittelprozess Anfang der 1990er Jahre in Frankfurt war erst der Anfang einer überaus notwendigen Beseitigung industrieller Arroganz, die sich aus der eher regional und kleinteilig ausgerichteten Baustoff-Produktion der vorindustriellen Zeit in eine international ausgerichtete und konzerngelenkte Baustoffindustrie entwickelt hatte.

Die weltweit tätigen Baustoff- und Chemie-Konzerne müssen nach wie vor gesetzlich gezwungen werden, den baulichen Gesundheitsschutz als eine zu berücksichtigende Tatsache anzuerkennen – dieser Prozess ist aber auch in der EU noch lange nicht abgeschlossen und hat an vielen Stellen weltweit vermutlich noch nicht einmal begonnen.

Aber auch über die Gesetze in der EU wird man nie sicher sein – weil die Lobby selbst die Gesetze macht und deren Interessen einerseits wirklich restriktive Gesetze verhindern und andererseits falsche Einschränkungen fördern. 

Ganz aktuell wird es z.B. darüber kompliziert, dass die ja fachlich kaum hinreichend ausgebildeten  politischen Gesundheits-Schützer Substanzen aus dem natürlich gewachsenen Holz, die die gleiche chemische Formel aufweisen wie Bestandteile, die in industriell hergestellten Holzwerkstoffen z.B. als Kleber verwendet werden, also synthetischer Herkunft sind,  im Rahmen der europäischen Harmonisierung in die gleiche Kategorie einstufen.        

Da werden synthetische Terpene aus industriell hergestellten Baustoffen z.B. mit den Terpenen gleichgesetzt, die als natürliche Inhaltsstoffe in gewachsenem Holz enthalten sind.

Ist ja auch naheliegend, dass synthetische Terpene aus Lacken und Farben, die die gleichen chemischen Formeln wie jene Terpene aus dem Holz aufweisen, die seit einigen 10.000 Jahren aus harzhaltigen Hölzern wie Kiefer oder Lärche austreten, von Lobbyisten regulativ in die gleiche Ecke gestellt werden.

Die Frage muss deshalb lauten:

  • sind synthetische Lösemittel mit phytogenen Lösemitteln, wie sie z.B. aus Nadelhölzern emittieren, eigentlich gleichzusetzen, weil sie die gleichen chemischen Formeln aufweisen?
  • Was ist an den Stoffen natürlicher Herkunft anders?

z.B. beim Formaldehyd, das nicht nur aus den Spanplatten, aus denen der Schrank für die Babywäsche gebaut ist, kommen kann sondern auch aus einer Schale Äpfel auf dem Tisch!

Oder was ist mit dem Formaldehyd im menschlichen Organismus, das er selbst produziert…

…aber natürlich auch wieder abbaut!

So wie jedem erwachsenen Menschen 1. klar sein sollte, dass der Mensch zu mehr als der Hälfte seines Körpergewichtes aus H2O besteht – er davon aber trotzdem einiges am Tag zu sich nimmt, damit er die zusätzlich aufgenommenen Kohlehydrate, Fette + Proteine verstoffwechseln kann….

…so sollte jedem erwachsenen Menschen 2. klar sein, dass es ein Wunder wäre, wenn sich im menschlichen Organismus aus den Kohlehydraten mit der allgemeinen Summenformel Cn(H2O)n nicht als Zwischenprodukt auch CH2O – also Formaldehyd – entwickeln könnte.

Und so ist es eben auch:

–    jeder funktionierende, also stoffwechselnde Mensch produziert am Tag als Zwischenprodukt auch etwa 20 – 40 g Formaldehyd…

…und atmet auch 0,001 bis 0,01 mg Formaldehyd pro m³ Atemluft aus! 

Und wenn es eines zusätzliches Beweises für die Richtigkeit den Buchtitels bedürfte, könnte der übertrieben gesagt u.a. an diesem Phänomen festgemacht werden:

–    7,8 Mrd. Menschen auf der Erde, die über 230.000 t Formaldehyd im Jahr als Zwischenprodukt „herstellen“ und mehr als 150 t/a „ausatmen“, beweisen, dass, da wo nichts angenommen wird – oder wer nimmt schon an, dass Menschen Formaldehyd ausatmen? –  wenig auf einmal sehr viel ist.

Damit sollen die mehr als 20.000.000 Jahrestonnen Formaldehyd, die weltweit für die synthetische Anwendung in Farben, Kleidung, Kosmetika, Kunst- und Holzwerkstoffen hergestellt werden und deren oft gesundheitsschädigende Wirkung in keinem Fall verniedlicht werden.

Es sollen mit diesem Buch die wirklich offenen & suchenden Menschen eine Grund-Sicherheit für sich selbst erlangen und ein paar Anregungen erhalten, den wirklich verbohrten Menschen gegenüber Argumente zu haben, die sich nicht nur mit metaphysischem Gedöns umgeben sondern auch noch missionieren. 

Wie z.B. ein Betreiber einer Website für Impfgegner – und es gibt äußerst gute  Gründe, auf`s Impfen zu verzichten! – (siehe weiter vorn und weiter hinten mehr) dort publiziert, dass Formaldehyd als Zwischenprodukt im menschlichen Organismus nur daher rühren könne, dass es bereits 150 Jahre als Schadstoff auf die Menschen einwirke!?

In vielen Gesprächen habe ich Unsicherheit von Menschen erlebt, die auf der wirklich ehrlichen Suche immer wieder über Ratgeber (wirklich meistens männlich) stolpern, die  ihnen gesundes & umweltgerechtes Bauen als eine wirklich schwierige Sonderdisziplin des Bauens verkaufen.

Gerade für solche Menschen ist dieses Büchlein gedacht:

  • ich will ihnen Erkenntnisse anbieten, die die Angst nehmen sollen, beim Bauen aus gesundheitlicher Sicht zu versagen!

Zwar ohne Haftung für die Richtigkeit in jedem Einzelfall – der muss immer Projektbezogen  (also Personen und objektbezogen) angeschaut werden – aber in jedem Fall richtig im Grundsatz.

Wenn z.B. ein Anbieter von Vollholz-Häusern (die u.U. aus mehr als 50 m³ mond-geschlägertem Holz bestehen – also aus mehr als 30 zur richtigen Mondphase geschlagenen Bäumen) wegen großer Nachfrage in der fraglichen Zeit sehr viel mehr Bäume fällen lassen müßte, als es dafür Waldarbeiter vor Ort gibt und deshalb den fraglichen Zeitraum ausdehnt, dehnt der dabei nicht auch die versprochene Leistung bis zur Unkenntlichkeit? – wenn denn jemals eine da war?

Oder wenn er, um die Fällquote zu erreichen, so viel schweres Gerät (und in Hochge-birgslagen u.U. Hubschrauber) einsetzen muss, dass im Ergebnis die Prozeßkette des geschlagenen Holzes so belastet ist, dass der ökologische Mehrwert spätestens dann kollabiert, wenn das Haus dann auch noch 1000 km über die Straße gefahren wird zu den Menschen, die sich ein solches Haus leisten, weil sie nicht nur Angst um Ihre Gesundheit sondern auch noch höchste Ansprüche an Komfort haben? 

Dabei scheint insbesondere beim Nadelholz das Einschlagen im Winter völlig ausreichend, um die gewünschte Holzqualität mit einer Schonung des Waldes zu kombinieren, das muss bei Fichte, Kiefer & Co eben nicht unbedingt an den besonderen 2-3 Tagen einer bestimmten Mondphase geschehen.

Bei der Buche, aus der das Holz für einen Fußboden verwendet werden soll, würde Reinhard Doser allerdings darauf bestehen, dass sie zum genau richtigen Fällzeitpunkt geschlagen wurde – und das mit der bei ihm typischen, allgäuerischen Klarheit – weil er es mit eigener Erfahrung belegen kann, dass Buchendielen mit einer Breite von > 20 cm  sonst garantiert reißen.

Mit dem Buch will ich dazu aufrufen, zwischen Pragmatismus und Idealismus zu differenzieren…

…oder besser zwischen Pragmatie und Ideologie.

Dabei nutze ich den Begriff Pragmatie wohl wissend, dass der üblicherweise Aristoteles zusteht als Sammelbegriff für seine nicht zur Veröffentlichung gedachten Schriften – aber Pragmatismus ist mit seinem – ismus am Ende halt ebenso so schwierig wie Liberalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus…

…oder Konsumismus.

Nicht alltäglich wird dieser Begriff in jedem Fall in kritischer Absicht gebraucht – so wie Kommunismus – obwohl beide – Konsum und Kommune – wirklich positive Wortstämme haben:  was kann es besseres geben, als „gemeinsam zu wohnen, etwas einzukaufen und zu gebrauchen“, das sich auch noch nachhaltig regeneriert?

Der Konsum als genossenschaftlicher Laden für kleine Leute war ebenso dem Kapitalismus oder dem Liberalismus geopfert worden wie die Kommune als Lebensform sich gegen das Streben nach persönlicher Freiheit aber Unverbindlichkeit politisch nicht durchsetzen konnte.

Und so ist`s auch beim Bauen:

  • Die insbesondere nach dem 2. Weltkrieg angenommene Freiheit, beim Bauen alles zu verwenden, was erlaubt ist – weil nicht ausdrücklich verboten! – ohne nachweisen zu müssen, dass es wirklich technisch & gesundheitlich geeignet ist, hat zu einer Beliebigkeit der Bauformen und Bau-Materialien  geführt, die nicht wirklich im Interesse der zahlenden Auftraggeber liegt.
  • Da entscheiden Lobbyisten der Bau- und Baustoffindustrie ebenso wie die Verbandsvertreter von Architekten- und Baugewerbe-Verbänden über die Zukunft des Bauens im eigenen Interesse – aber nicht im Interesse von Hausbesitzern oder Mietern in Konzern-Immobilien…

… und ad-hoc-Kommissionen politischer Gremien entscheiden über die maximale Menge  von „Risiko-Stoffen“ in der Raumluft.

Und dabei werden dann z.B. die natürlichen Inhaltsstoffe von Nadelhölzern, die den besonderen Duft in Räumen mit Holzverkleidungen ausmachen, per Verordnung giftig  gemacht – obwohl man eigentlich die Terpene aus synthetischen Beschichtungen verhindern will.

Auch hier will ich nicht falsch verstanden werden:

Einerseits ist es Aufgabe der Bauaufsicht, auf die Bau- und Ausbaustoffe in Bezug auf den Gesundheitsschutz zu achten, andererseits sollten die öffentlichen Bauherren selbst beispielhaft das Kohärenzprizip, die Salutogenese, beim Bauen berücksichtigen.

Es ist z.B. wissenschaftlich bewiesen, dass Schülerinnen und Schüler nachweislich in Klassenräumen leichter + besser lernen, in denen der Duft von Nadelhölzern vorherrscht!

Die Aufgabe von Verbraucherschutzorganisationen könnte es sein, die Balance zwischen lobby-geschönter staatlicher Regulierung und Baubiologen-geschönter  Verbraucher-Interessen immer wieder neu zu prüfen und auszuwiegen.

Die Kluft, die trotzdem aus baubiologischer Sicht immer wieder entsteht und von den Protagonisten (die von der Angst sensibler Verbraucher leben) auch möglichst offen gehalten wird, will ich ein wenig überbrücken – frei nach dem Titel dieses Buches:

–    wo nichts ist – ist wenig viel

oder:

–    wenn man nichts hat, eine Kluft zuzuschütten ist eine kleine Holzbrücke, sie zu   überwinden sehr viel!

Artikel I.          Gesellschafts-politische Grundsätze:

Bauen fördern! – oder verbieten?

In seinem Buch  “Verbietet das Bauen!” beschreibt Daniel Fuhrhop das Bauen als ein in der Regel flächenfressendes, die Gesellschaft spaltendes Phänomen zur Schaffung neuen Wohnraums, obwohl es schon für jeden Deutschen (jedenfalls im Schnitt) fast 50 m² Wohnraum gibt.

Diese Art des Bauens, die (fast) immer einhergeht mit Prestigesucht und Verschwendung, mit der Erschließung neuer Baugebiete in Außenbereichen, die allein für die Erschließung und die zusätzliche Mobilität für die Wege zum Einkaufen, zum Kindergarten und zum Job jedes notwendige Mass an Energie-Effektivität und Ressourcen-Schonung außer acht läßt, kann man auch mit vernünftigen Baustoffen und dem Bau eines Passivhauses nicht rechtfertigen!

Trotzdem haben die Grünen nicht recht, die jetzt den Bau von Einfamilienhäusern verbieten wollen – die träumen nur davon auf dem Weg in eine Ökodiktatur, weil sie bisher konsequent auf den Widerspruch z.B. gegen das neue Gebäudeenergie-Gesetz (GEG) verzichtet haben, dass am 1.11.2020 in Kraft getreten ist und z.B. ermöglicht, dass Flachdächer, die einen Wärmeschutz aufweisen wie vor 35 Jahren, im Zuge einer Sanierung nicht einmal zusätzlich gedämmt werden müssen. 

Den Grünen und anderen Verweigerern vernüftigen Verhaltens beim Bauen sei gesagt:

Es kommt immer zuerst darauf an, die Systemgrenzen anzusehen:

  1. nur die Systemgrenze Haus ist viel zu klein für eine umfassende Bewertung des Bauens.
  2. Auch die Systemgrenze Siedlung ist zu klein – weil sie ja nicht autark funktioniert, wie z.B. ein Dorf vor 150 Jahren, aus dem die meisten Bewohner nur selten in die Stadt kamen, einige nie.

         Natürlich gibt`s Ausnahmen, wie z.B. das Ökodorf “Sieben Linden” in der Altmark, in dem man eine sozial-ökologische Modellsiedlung in  Strohballen-Bauweise errichtet hat, die aber nicht nur gemeinschaftliches Leben sondern auch Trainings und Seminare umfasst, um Besucher an ein möglichst nachhaltiges  Leben mit möglichst geringem ökologischen Fussabdruck heranzuführen.

  • Dieses Buch soll bewußt nicht solche Leuchtturm-Projekte beschreiben sondern Bauen in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft im Allgemeinen, dass heißt vor allem für ganz normale Menschen, die neue Gebäude erstellen, mit denen sie in Städten Lücken schließen können oder als Aufstockungen auf bestehenden Objekten Wohnraum schaffen – weil in beiden Fällen die Infrastruktur schon da ist, der ÖPNV leidlich bis gut funktioniert und die Arbeitswege kurz sind – ggf. sogar Fahrrad-tauglich.
  • Dieses Buch hat vor allem aber die Nutzung bestehender Objekte im Blick, die baulich, vor allem energetisch saniert, besonders sinnvoll sind, weil die ursprünglich für den Bau gebrauchten Materialien durch eine Weiternutzung gemäß der Steigerschen Matrix immer interessanter werden – einfach durch die Verlängerung der Lebensdauer.

         Wenn man nämlich  – ohne den Protagonisten aus Siebenlinden zu nahe treten zu wollen -“vorübergehend bewohnbare Komposthaufen”  baut, sind solche Häuser gemäß der Steigerschen Matrix nicht besser als Häuser, die mit genauso unkritischen Prozeßketten gebaut sind aber u.U. Jahrhunderte halten und wenig Mobilitätsenergie benötigen.

Gibt`s überhaupt Bedarf, neuen Wohnraum zu schaffen?

Dazu ist hilfreich, zunächst zu klären, wieviel Platz überhaupt ein Mensch zum Leben braucht – und das hängt natürlich vor allem von seiner Lebensweise ab.

Ein einzelner Mensch, der seine Wohnung verläßt, um einer bezahlten Arbeit nachzugehen, der seine Freizeit allein in der Natur oder allein oder gemeinsam mit anderen Menschen im öffentlichen Raum und in öffentlichen Gebäuden verbringt, braucht relativ wenig persönlichen Wohnraum, eine Wohnung mit den durchschnittlichen 47 m² Wohnfläche wäre in unserer westlichen Welt  mehr als angemessen – in vielen Ländern der Erde sind auch viel kleinere Wohnflächen üblich und angemessen.  

Je mehr Menschen zu einer “Wohngemeinschaft”, angefangen mit einer Zweier-Beziehung über eine Kleinfamilie, eine Groß-Familie bis hin zum Mehrgenerationen-Haushalt leben, umso kleiner kann der pro-Kopf-Bedarf werden, ohne dass den Bewohnern etwas fehlt. 

Je ländlicher eine Wohnsitution wird bis hin zur Landwirtschaft steigt dann der Bedarf wieder, weil man nicht nur Essen und Schlafen, sondern auch Arbeiten, ggf. auch mit Tieren unterbringen muss.

Und da kann, wenn man auch einen nennenswerten Beitrag zur Selbstversorgung erreichen will, der Platzbedarf deutlich ansteigen.

An dieser Stelle sei die Frage “Wieviel Erde braucht der Mensch?” eingefügt, die bekanntlich von Lew N. Tolstoy in einer Novelle bearbeitet wurde.

Jeder hat von der Geschichte gehört, in der einem (vermutlich leibeigenen) Bauern soviel Land (und damit seine Freiheit) versprochen wurde, wie er bis Sonnenuntergang zu Fuß umrunden könnte.

Damit ist auch der Schluss der Novelle bekannt:

Es reichten weniger als 2 m², genauer „…ein  Grab, genau so lang wie das Stück Erde, das er mit seinem Körper, von den Füßen bis zum Kopf, bedeckte – sechs Ellen..“

Zu dem Zeitpunkt, in dem diese Novelle entstand, war der Besitz von viel Ackerland gleichbedeutend mit Macht und Wohlstand – der Besitz von wenig Ackerland gleichbedeutend mit Unfreiheit. Heute erleben selbst Bauern mit größtem Landbesitz den sie mit exorbitantem Maschinen-Einsatz bearbeiten, dass sie unfrei sind, wenig Macht haben und der Wohlstand verglichen mit ihrem Aufwand und Risiko gering ist.

Geld mit landwirtschaftlichen Produkten verdienen in einer industrialisierten (Land)-Wirtschaft einige wenige aber sehr machtvolle Konzerne. Die Erträge der Spekulanten an den Warentermin-Börsen sind exorbitant  höher als jene der produzierenden Bauern…

…und der größte Anteil des ukrainischen Ackerlandes gehört amerikanischen Konzernen bzw. deren Investoren.

Den Mächtigen gelingt es sogar glauben zu machen, dass auch die  Landwirtschaft dem Gebot der Effizienzsteigerung unterliegt, um alle Menschen auf diesem Planeten auch in Zukunft mit ausreichend Nahrung zu versorgen.

Dazu noch einmal das Zitat von Michael Braungart:

„Effizienz steht für Kurzfristigkeit, Effektivität für Langfristigkeit. Das Effizienzdenken ist ein Mangelsystem. Man versucht, mit immer weniger von etwas auszukommen, zu vermeiden, zu sparen. Doch das ist der falsche Weg. Effektivität heißt, die Dinge grundlegend richtig zu machen.“

Bezogen auf die Landwirtschaft heißt das z.B., dass sich die Erzeugung von Weizen, Mais + Soja kaum noch effizienter gestalten lässt, die daraus resultierenden Produkte aber nicht Brot oder Polenta oder Tofu sondern Bio-Sprit, Bio-Gas und Hamburger heißen – und im Zweifel verbrannt statt gegessen werden.

Mit „wir lieben Lebensmittel“ werben Supermärkte, deren Lieferanten Konzerne sind, die die Grenze zwischen food und non-food u.a. auch dadurch offenlegen, dass diese ihre shop-in-shop-Bäcker über die Konzessionsverträge zwingen, auch nach 18:00 Uhr noch mindestens halbvolle Regale mit Backwaren vorzuhalten – die der Bäcker anschließend, weil sie niemand mehr kauft, verbrennen lässt – also aus food non-food macht.  

Dass fast die Hälfte der täglich produzierten Backwaren im Westen nicht gegessen sondern verbrannt wird, gehört zu der wahnsinnigen Wahrheit, dass die tägliche weltweite Nahrungsmittel-Produktion  für 14 Mrd. Menschen reichen würde – aber nicht einmal die Hälfte satt wird. 

Auch in Zukunft wird auf der Erde soviel Essbares wachsen, dass man alle Menschen damit sättigen könnte – die Versorgung mit Mobiltelefonen für alle ist da schon schwieriger.

Rohstoffe für industriell produzierte Konsumgüter, u.a. für alles, was im weitesten Sinne mit Kommunikation zu tun hat, werden schon jetzt dermaßen knapp, dass auch hier die These von  Michael Braungart erbarmungslos zuschlägt:

Weil das Falsche auch mit größter Effizienzsteigerung nicht richtig wird sollten wir gleich das Bewusstsein für das Richtige entwickeln. 

Es müssen nicht erst „alle Bäche vergiftet, alle Fische gefangen und alle Bäume geschlagen sein, bevor die Menschen verstehen, dass man Geld nicht essen kann“.

Wir sind intelligent genug, unsere Erde als Lebensgrundlage nicht erst an den Rand der Zerstörung zu bringen um zu begreifen, dass wir sie brauchen.

Wird sich dieses Wissen aber in der Zukunft durchsetzen?

Zur Lösung dieses Problems kann wieder die Novelle vom Anfang hilfreich sein.

Natürlich wird es immer Individuen geben, die den Hals nicht voll kriegen, natürlich wird es immer Ignoranten geben, denen es wurscht ist ob Dioxin in der Wurst ist.

Ich glaube aber daran, dass die große Masse der Menschen – wenn sie nicht frei von wirtschaftlicher Macht und Unterdrückung ist! – sich immer wieder auflehnen wird gegen Unfreiheit und unmenschliche politische + wirtschaftliche Macht und sich danach und auf Dauer dann bescheiden mit Ihrem Anteil an der Erde zufrieden geben wird, wenn man den Menschen die Informationen und die Freiheit gibt, ihr Glück kennen zu lernen.   

Erst wer selbst in Freiheit feststellen konnte, wie man durch effektives Verhalten den „eigenen Bedarf an Erde“ ohne Verlust an Lebensqualität auf ein niedriges Niveau bringen kann, suffizient zu leben, wird dafür auch sich und seine Mitmenschen begeistern.

Ich hatte, bis ich in den (Un)ruhestand ging, als überzeugter Bahn- und Brompton-Fahrer natürlich auch Spaß am Autofahren, wußte aber, dass meine geschäftlichen Reisen mit dem Auto nie nachhaltig, ja nicht einmal wirtschaftlich sein konnten…

Als überzeugter Anhänger der Nachhaltigkeit habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, warum nicht alle Gleichgesinnten den Strom bei Anbietern kaufen, die fossilen oder atomaren Strom gar nicht im Angebot haben und damit die Anbieter solchen Stroms einfach auf ihren Produkten sitzen lassen….

Ich habe mich auch gefragt, warum bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit des Bauens mit nachwachsenden Rohstoffen auch von wissenschaftlichen Instituten immer wieder geschummelt wird:

Und ich habe feststellen müssen, dass es alles ganz einfach ist:

Solange Geld + Macht im Spiel ist, wird Wissen und „sich etwas bewusst machen, um Glück zu empfinden“ solange unterdrückt, wie dieses Wissen um Glück die Mächtigen – und die Wissenschaft! – in Frage stellt.  

Tolstoi hatte auch dazu eine klare Position wenn er sagte: “Wissen und Wissenschaft ist nicht das Gleiche – Wissen ist das Ganze, Wissenschaft nur ein Teil!” und Tolstoi`s Bauer würde sich bei einer 2. Chance und suffizienten sozialen und wirtschaftlichen Randbedingungen anders entscheiden – wetten?

Wir kriegen ganz sicher auch keine 2. Erde  – brauchen wir auch nicht, wetten?

Wohnraumbedarf durch Umnutzung schaffen 

Ob man in den entwickelten Industriestaaten neuen Wohnraum bauen sollte, kann man unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit sinnvoll erst beantworten, wenn man den Bedarf geklärt und den Bedarf mit dem vorhandenen Bestand abgeglichen hat. Wer das ohne eine solche Klärung tut, wird in Zukunft dafür mindestens einen Ausgleich an die Solidargemeinschaft entrichten müssen, wenn sein Objekt incl. der dazu hergerichteten Infrastruktur nicht vollständig Umwelt- und Klimagerecht ist.

Wenn man einen Abgleich vornehmen wollte, gibt`s natürlich weder hoheitliche Regularien noch Netzwerke oder Institutionen, die sich darum kümmern, dass z.B. eine alte Frau auf 180 m² Wohnfläche wohnt und u.U. gern einer Mitbewohnerin einige Zimmer abgeben würde, die ihr in ihrer Einsamkeit und Hilflosigkeit zu einem schönen Lebensabend verhelfen kann…

…oder ein älterer Herr einem Studenten Wohnraum gegen Dienstleistung (Einkaufen, Putzen, Gesellschaft leisten) überlassen könnte.

Junge Familien könnten bevorzugt alte Häuser kaufen und dabei unterstützt werden. (https://www.hiddenhausen.de/Wohnen/Jung-kauft-Alt)

Wohnraumbedarf durch Neubau schaffen

Das Bisherige zusammengefasst kann man einige Essentials aufstellen, an denen sich Neubau immer messen lassen muss:

  1. Keine neuen Baugebiete in bisheriger Naturfläche oder Landwirtschaftlichen Nutzfläche, in der die Infrastruktur (Straßen, Kanalisation, Energie, Kommunikation) auch neu erstellt werden muss.
  2. Keine Genehmigung für Objekte, die durch Versiegelung der Landschaft die Biodiversität der Umgebung einschränkt und kein antizyklisches Regenwassermanagement aufweisen.
  3. Keine Genehmigung für Objekte, für die kein Gebäudeenergie-Kennwert (kopf-bezogener Herstellungs- und Nutzungsenergie-Nachweis) und kein Nachhaltigkeitsnachweis im Sinne der Steiger`schen Matrix (Abbildung 1) vorliegt. 

Nutzraum (gewerblich) durch Neubau schaffen

Im Sinne der ökologischen Auswirkungen und bezogen auf die Biodiversität hat natürlich gewerblicher Neubau  die gleichen Auswirkungen wir Wohnraumbau – nur in völlig anderen Dimensionen:

Das größte jemals von mir betreute Logistik – Objekt wies immerhin eine Dachfläche von fast 23 ha auf – oder 230.000 m² – und mit einer Gebäudehöhe von ~ 12 m ein Volumen von ~ 2,8 Mio m³  oder 2,8 km³  – und weil man sich das kaum vorstellen kann:

In dieses Volumen würden ganz dicht aneinander etwa ~ 5.000 Einfamilien-Häuser oder 1.200 Kindergärten passen…

…und wenn`s regnet, kommen auf der 23 ha großen Dachfläche und den verdichteten Erschließungsflächen etwa 10 m³ Regenwasser in der Sekunde oder bei einem 5 Minuten-Regen 3.000 m³ Regenwasser zusammen…

… für dessen Transport man einen Güterzug mit Kesselwagen mit fast ½ km Länge bräuchte!

Da kommt man auf die Idee, dass man solche Gebäude nicht braucht!

Wenn man aber unterstellt, dass in diesem Gebäude Waren für Menschen umgeschlagen werden, die in weit mehr als 5.000 Häusern leben, die ihre Kinder in mehr als 1.200 Kindergärten schicken und ihre Einkäufe nicht per Auto in einer Art „Beschaffungs-Tourismus“ besorgen sondern sich die Waren irgendwann von Elektrokarren (für die letzte Meile) aus einem virturellen Supermarkt bringen lassen, käme es schon sehr auf die Bilanzierung des gesamten dabei entstehenden Energiebedarfs an…

…der natürlich immer höher ist als das global-warming-Potential bei Einkaufen mit dem Fahrrad auf`m Dorf beim Konsum um die Ecke.

Artikel II.        Robert Borsch-Laaks (1990): Die 7 Essentials für den Bau von Niedrigenergie-Häusern!

Wenn Neubau, dann gelten die 7 Essentials von Robert Borsch-Laaks aus 1990 (Siehe Vorwort)

  1. Eine kompakte Bauform

Die Kompaktheit eines Gebäudes wird mit dem Verhältnis der Fläche der Außenhülle zum Volumen, dem  sog.  A/V-Verhältnis beschrieben und ist dann am größten, wenn der Wert niedrig ist:

  • Ein innen mit einer Kerze beheizter Würfel mit einer Kantenlänge von 1 m hat z.B. den A/V-Wert 5, d.h. seine abkühlende Außenfläche ist im Verhältnis zum Nutzvolumen sehr groß, die Kerze wird u.U. trotz der kleinen Hüllfläche nicht reichen!
  • Ein Iglu mit einem Durchmesser von 6 m hat einen A/V-Wert von 1, d.h. die Außenfläche ist im Verhältnis zur einer “Wohnfläche” von ~ 28 m² sehr klein, auch bei nicht sehr guter Dämmwirkung der Außenhülle aber mit warmer Kleidung reicht ein kleines Tran-Feuer um drinnen leben zu können!
  • Ein Einfamilienhaus mit einer Breite von 8 und einer Länge von 10 m und einem 45 ° geneigten Dach hat schon einen rel. niedrigen A/V Wert von 0,63, die im Verhältnis zum Iglu 5 x so große Außenhülle von über 250 m² muss aber sehr gut gedämmt sein, um wenig von der i.d.R. fossilen Heizenergie zu benötigen.  
  • Eine riesige Logistikhalle von 500 m Länge, 200 m Breite und 12 m Höhe hat einen A/V-Wert von 0,097, ist in Bezug auf die Heizenergie ungeheuer kompakt, wirft aber eine ganze Menge andere Fragen auf.

Aus den oben genannten Gründen kann man kompakte Bauformen von “Gebäuden” in Gesellschaften, die der Natur noch sehr nahe sind, am besten beobachten:

Die Eskimos bauen Iglus, die mit ihrer halbkugeligen Form nicht nur dem Prinzip einer möglichst geringen Außenfläche in idealer Form nahekommen sondern auch unmittelbar nur aus dem Rohstoff bestehen, aus dem die für uns unwirtliche Region eigentlich besteht: aus Schnee + Eis! 

Die nordamerikanischen Ureinwohner hatten runde Tipis aus Fellen und Stangen oder Wigwams und die Nomaden Zentralasiens haben heute noch Jurten mit den typischen runden Bauformen. Alle weisen auch eine kompakte Bauform auf, die aber auch an die typische nomadische Lebensweise angepasst sind.   

Die Massai in ihren Lehmhäusern haben durchaus ähnliche Formen wie die Mongolen entwickelt, gehen aber viel diffenzierter mit Materialien um, weil sie weitgehend ortsfest leben: die Häuser der Massai bestehen aus dem heimischen Lehm, aussteifenden Ästen, Tierhäuten und Kuhdung …und sind damit völlig natürlichen Ursprungs.

Diese “Häuser” entsprechen quasi ideal der Forderung von Peter Steiger nach einer unkritische Prozeßkette, sind allerdings in der Lebensdauer noch nicht optimiert – weil alle organischen Stoffe natürlich nur so lange genutzt werden können, wie sie einigermaßen trocken bleiben, d.h., dass sie nicht durch Feuchtigkeit unmittelbar kompostiert werden.

Wenn eine Bauweise aber den Schutz vor Feuchtigkeit einschließt, können auch Gebäude aus Holz und Lehm mehrere Jahrhunderte alt werden, ja sogar Jahrtausende, wie z.B. mehrgeschossige Lehm-Häuser in Sanaa im Jemen beweisen, die älter als 2000 Jahre sind.

Zurück zur Kompaktheit:

Eine kompakte Hüllfläche ist in nördlichen Breiten – in denen man im Winter heizen muss, mit nichts zu kompensieren – außer mit noch mehr Kompaktheit!

In südlichen Breiten ist Kompaktheit auch sinnvoll – weil die aufheizende Außenfläche klein ist! 

Umso mehr, wenn sie über eine sinnvolle Lüftung verfügt: ein Termiten-Hügel ist völlig kompakt, verfügt über eine natürliche Lüftung über den thermischen Auftrieb durch seine vertikale Bauweise und bringt damit Kühlung durch Luftbewegung!

Und ein Nomaden-Zelt in der Sahara oder auf der arabischen Halbinsel muss nicht kompakt sein – weil es ja nicht fossil beheizt wird, aus nachhaltig nachwachsenden Rohstoffen besteht und vor allem Schatten bieten muss und den Wind der Wüste hindurch lassen. Die nur nachts heruntergelassenen “Wände” brauchen keine Wärmedämmung.   

Zonierung:

Auch eine Form von Kompaktheit ist das Bauen quasi in Schalenform – im Bereich der Bekleidung kennt man das als “Zwiebel-Look”:

Man baut Häuser mit einem (im Winter) warmen Kern und die Räume mit geringerem Temperaturbedarf drum herum.

Die Gebäudehülle normaler Häuser umfasst alle Wohn- und Nutzbereiche quasi mit gleichem Temperatur-Niveau – obwohl z.B. die Küche, und der Schlafraum eine um 2° C kältere Raumtemperatur haben könnten und im Bad eine um 2°C höhere Wärme als angenehm empfunden werden. 

Ein Kellerersatzraum, eine Speisekammer könnten nicht nur sondern sollten deutlich kälter sein als der Wohnraum.

Alte norddeutsche Bauernhäuser, in denen alle – auch die tierischen – Bewohner unter einem Dach lebten, sind Zeugen einer solchen Baukultur:

  • neben der unbeheizten Deele, die selbstverständlich mit dem Deelentor noch Norden orientiert war, lebten die Tiere in ihren Ställen
    • am anderen Ende der Deele, am Übergang zum Wohnteil brannte zum Kochen ein offenes Feuer, mit dessen thermischem Auftrieb auch im Winter quasi eine natürliche Entlüftung der Deele und Viehställe erreicht wurde
    • und das im Sommer das Kochen ermöglichte, ohne den Wohnbereich unnötig aufzuheizen.
    • Soweit erforderlich wurde der Wohnbereich nur mit einem Ofen in der Wohnstube aufgeheizt.
    • Schlafen ging man in Betten, die in unbeheizten Kojen mit äußerster Kompaktheit eingebaut waren und deshalb mit nur der eigenen Körper-wärme ausreichend “beheizt” waren.

Der schon mehrfach zitierte Peter Steiger hatte auch für den Neubau “normaler Häuser” für zoniertes Bauen plädiert, dass man auch gut mit Solarer Energie-Gewinnung kombinieren kann.

Die Fa. Bio-Solar-Haus kombiniert in der reinsten Form Holzhäuser mit komplett übergestülpten Treibhäusern. Obwohl die bisher ~ 400 gebauten Häuser wohl nur in der Minderheit diese reinrassige Form aufweisen und mehrheitlich auch als  “normale” Häuser mit Wintergärten gebaut werden, ist die von Fa. Bio-Solar-Haus empfohlene Bauart auf ihre Kompaktheit hin abzuklopfen.

Die von Bio-Solar-Haus als positiv kommunzierten Attribute: keine Lüftungsanlage, keine Öl – oder Gasheizung, diffusionsoffen + Tauwasserfrei, ohne Dampfbremse wirken beim 1. Hinsehen besonders attraktiv, bei genauem Hinsehen sind es nur Attribute zum Einfangen der oben beschriebene sensiblen Kunden. Denn Lüftungsanlagen sind, richtig gebaut, ebenso wenig gesundheitsschädlich wie Dampfbremsen. Es ist sogar das Gegenteil richtig: richtig gebaute Lüftungsanlagen verbesseren die Luftqualität ebenso wie Dampfbremsen (an notwendigen Stellen) Schimmel vermeiden statt ihn zu begünstigen.

Falsche Kompaktheit:

Es gibt auch eine falsche Kompaktheit von Gebäuden, z.B. wenn diese aus architekt-onischen Erwägungen nicht nach dem Motto: “form follows funktion” konzipiert sind – und “funktion” auch für Robustheit/lange Lebensdauer steht – sondern “modern” sein sollen!

Da wird z.B. bei üblichen Siedlungshäusern auf  Dachüberstände verzichtet, obwohl diese in Regionen, in denen – gottseidank – noch genügend Regen fällt und das meistens auch mit Wind einhergeht, diese Dachüberstände essentiell sind für den Schutz der Fassade – insbesondere im direkten Übergang zwischen Dach und Fassaden!

Da könnte man sagen: “form contradicts funktion”

2. Eine dicke Wärmedämmung

Dass eine dicke Wärmedämmung wichtig für das Einsparen von Heizungsenergie ist, muss nicht begründet werden, weil das jeder weiß. Wie dick allerdings die Wärmedämmung ausfallen sollte – und wann es nicht mehr lohnt, also die  Energie-Aufwendungen für jeden weiteren cm größer sind als die mögliche Einsparung – darüber gab`s schon immer Diskussionen, besonders vor 30 Jahren, als man noch über 8 cm Dämmung statt 4 cm diskutierte:

Die damals entstandene Grafik zeigte aber schon damals…

Abbildung 2:

…dass die höchste Effektivität in den ersten cm liegt – dass aber auch bei 20 cm Dämmstoffdicke noch Einsparungen möglich sind.

Man kann die Frage nach der Dicke der Dämmung auch beantworten durch den Blick auf die energetische Amortisation:

– d.h., wenn der Energie-Aufwand für die Herstellung eines Dämmstoffes sich innerhalb weniger Heizperioden “energetisch amortisiert”, auf die Dauer eines Einsatzes von z.B. 50 Jahren gerechnet der Einsatz für die Herstellung also schon nach sehr wenigen Jahren eingespart ist, lohnt sich ggf. auch die 25 cm dicke Wärmedämmung.

Mittlerweile sind solche Dämmstärken in Dächern als Zwischensparrendämmung ohnehin üblich, weil die Sparrenstärken quasi die Dämmstoffdicken vorgeben, technische Nachteile gibt`s keine – anders als beim Einsatz an Fassaden mit Wärmedämm-Verbundsystemen aus Schaumkunststoffen und dünnen Putzen.  

Dort kann man die Dämmung, z.B. aus Polystyrol, nicht einfach immer dicker machen. Neben der deutlichen Erhöhung der Brandlast an der Fassade gibt`s Probleme mit Fugenbildungen, Rissen und Algen auf dem Putz, die zu System-Änderungen führen werden.

Hier führt der technisch mögliche Weg zu sog. VIPs, den Vaccum-Isolations-Paneelen, die eine um den Faktor 5 niedrigere Wärmeleitfähigkeit aufweisen und nur ¼ der Dicke brauchen!

Wie man sieht, kommt`s letztlich nicht nur auf die Dicke der Dämmung an oder auf die Effizienz sondern wieder auf die Effektivität – u.a. darauf, dass ein solches System die gleiche Lebensdauer wie das damit gedämmte Gebäude haben muss!

Dazu kommt, dass der Mensch, der sich`s warm macht, Wärme natürlich unterschiedlich empfindet: eine hohe Lufttemperatur im geheizten Raum ist genauso unangenehm wie eine zu hohe Lufttemperatur im Sommer draußen!

Die Menschen genießen dagegen die Strahlungswärme, z.B. bei eigentlich kalter Luft im kalten Schnee die Sonnenstrahlung auf der Terrasse einer Jausenstation – u.U. sogar kurzzeitig im T-Shirt, wenn man insgesamt warm genug angezogen ist!

Oder vor einem Kamin, wenn man hintenrum nicht friert! Und für`s Wohnen im Winter gilt deshalb vor allem, nicht eine hohe Lufttemperatur zu haben, sondern eine möglichst hohe Wandoberflächen-Temperatur!

Denn, wer glaubt, dass eine kalte Wand Kälte auf den Menschen abgibt, sollte sich korrigieren – umgekehrt wird ein Schuh draus: die vom Menschen mit einer Hauttemperatur von ~ 28 °C abgegebene Wärmestrahlung fließt (wg. ggf. zu geringer Wärmedämmung in der Wand)  zur kalten Innenseite einer Außenwand ab! Dadurch friert der Mensch!

Wenn man die Innenseite der Außenwand aber warm hält (über eine ausreichende Wärmedämmung) oder sogar warm macht (über eine Wandflächenheizung)

friert man nicht mehr!

Dazu passt wieder der Buchtitel: wenn man im Altbau kalte Wände beseitigen will, muss man nicht zwingend außen viel Dämmung drauf packen – eine deutlich geringere Dämmstärke von innen (wo nichts ist – ist wenig viel!) hat über die damit erzielte höhere Wandoberflächentemperatur einen durchaus vergleichbaren Effekt.

Diese Art der Dämmung von innen ist insbesondere bei denkmalgeschützten Objekten mit z.B. Stuckfassaden (die man nicht verändern darf) oder bei sehr dicken Wänden von alten Burgen/Schlössern ein sehr erprobtes Vorgehen!

…..wenn man sich dazu unbedingt fachlichen Rat holt!

Denn durch Innendämmung wird der sog. “Taupunkt”, d.h. die Temperatur, bei der die relative Feuchte der Luft im Innenraum kondensiert, u.U. bis an die raumseitige Oberfläche, den Putz/die Tapete innen verlagert.

Diesen physikalischen Vorgang kann man sich ganz gut erklären mit der Feuchte auf einer Bierflasche, die man aus dem Kühlschrank auf den Tisch stellt.  

3. Solare Energie-Gewinnung

Dass solare Energie-Gewinnung gerade in nördlichen Breiten sehr sinnvoll ist, darf nicht den Blick dafür verstellen,  dass die dicke Wärmedämmung außen (und/oder ggf. die dünnere innen) trotzdem sein müssen.

Frühere Forschungsvorhaben haben klar gezeigt, dass eine solare Energienutzung ohne Wärmedämmung nicht funktioniert!

Und zwar weder mit einer unmittelbaren Wärmegewinnung durch südorientierte Fenster noch eine Wärmegewinnung  durch thermische Solar-Kollektoren – auch  wenn Vakuumröhren-Kollektoren natürlich eine weit größere Leistungsausbeute als übliche Flach-Kollektoren aufweisen – noch mit Photo-Voltaik-Elementen zur Stromerzeugung, (die man dann mittels Wärmepumpen zur Heizung und Warmwasserbereitung nutzt) – denn es gibt einen unumstößlichen Grundsatz:

– die Energie-Verlust-Minimierung ist immer wirtschaftlicher als die Energie-Gewinn-Maximierung!

u.a. schon deshalb, weil Energiegewinnung nie ohne technische Gebäudeaus-rüstung geht!

…und die muss nicht nur bezahlt und gewartet sondern irgendwann auch repariert oder sogar ersetzt werden!

4. Vermeidung von Wärmebrücken

Eine erhebliche Bedeutung beim energieeffektiven Wärmeschutz hat die Vermeidung von Wärmebrücken – die manchmal auch – physikalisch zwar falsch, aber als Kältebrücken bezeichnet werden.

Denn über die Brücke geht die raumseitige Wärme nach draußen, thermodynamisch fließt der Wärmestrom eben von warm nach kalt – nicht umgekehrt!

Und weil Wärmebrücken nicht nur einen z.T. erheblichen Wärmeverlust bedeuten können, sondern auch ein erhebliches Tauwasser-Risiko, sollten sie penibel vermieden werden.

5. Luftdichte Gebäudehülle

Erst eine luftdichte Gebäudehülle ermöglicht ein effektives Heizen, komfortables Wohnen und ein gezieltes Lüften. Jeder kann sich vorstellen, dass man mit einem grob gestrickten Pullover mit vielen Luftmaschen bei heftigem Wind besser eine luftdichte Jacke drüber zieht, die selbst gar nicht wärmen muss: Wichtig ist, dass sie luftdicht ist, damit die Luftmaschen auch warm halten.

In einem Gebäude geht`s um den gleichen Effekt: eine zugige Gebäudehülle ist bei Wind nicht warm zu kriegen, da muss man nicht lange nachdenken.

Zusätzlich gibt`s in Gebäuden, zumal wenn diese mehrgeschossig sind, einen thermischen Auftrieb – wie in einem Termiten-Bau -, d.h. wenn oben die warme Luft durch Ritzen und Fugen entweicht, wird die warme Luft aus dem Erdgeschoss in`s Obergeschoss gesogen und die kalte Luft aus dem Keller in`s Erdgeschoss.

6. Mechanische Lüftung

In Energie-effektiven Gebäuden, die also möglichst luftdicht sein sollen, empfiehlt es sich, eine mechanische Lüftungsanlage zu installieren. Die sorgt für einen notwendigen Luftwechsel, in dem Feuchte und insbesondere CO2 gezielt nach draußen gebracht werden.

Wenn diese Lüftung auch noch mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet ist, kann der Energiebedarf insbesondere dort, wo ein hoher Luftwechsel erforderlich ist – z.B. in Räumen, wo zu Veranstaltungen viele Menschen zusammenkommen, noch einmal signifikant gesenkt werden.

Anders herum ist in Einfamilienhäusern, die häufig über Wohnflächen von > 40 m² pro Nase verfügen, ein solcher Aufwand kaum lohnend – da wäre eine natürliche Thermik, z.B. im Treppenhaus, die durch eine Klappe unten Luft hinein und eine Klappe oben hinaus ließe, eine völlig ausreichende Lüftung zu initiieren, die keinen Strom, keine Filter und keine Wartungs und Reinigungaufwendungen braucht…

…für Pollenalergiker könnte die Zuluft unten noch mit einem einfachen Papierfilter getunt werden.

7. Flinkes Heizsystem

Gut gedämmte Gebäude mit einer vernünftigen solaren Ausrichtung reagieren sehr schnell auf solare Wärme und müssen dann nicht mehr geheizt werden! Wenn dann eine Fußbodenheizung den Estrich und (u.U. den Fliesenbelag) erst einmal aufgeheizt hat, muss das solare Wärmeangebot u.U. “weggeschattet” oder weggelüftet werden. 

Deshalb gehört in eine effektives Gebäude eine Heizung, die sehr schnell Wärme bereitstellt, wenn Solarwärme genutzt werden kann, aber genau so schnell herunterfährt.

Artikel III.      Peter Steiger

Peter Steiger stellte auf der Baufachtagung in Eldagsen 1991 eine Matrix vor, die nicht mehr zu vereinfachen ist:

Da steht nichts von Baustoffen drin:

– nichts von Primärenergie oder Rohstoffen für die Herstellung,

– nichts von Gefahrstoffen bei der Herstellung oder Entsorgung,

– nichts von Gefahrstoffen während der Nutzung,

aber jeder, der eine plausible Darstellung für die Nutzung von nicht natürlich gewachsenen sondern produzierten Stoffen/Materialien sucht, kann damit etwas anfangen.

Und es geht auch nicht nur um Baustoffe, es geht auch um Einkaufstüten, Handys,  Kleidung, Autos, um alles, was man kaufen kann.

Weil aber > 50 % der Abfälle in unseren entwickelten Ländern Baustoff-Abfälle sind, geht`s da eben ganz besonders um die Lebensdauer und die Prozeßketten.

In der Gesetzgebung in Deutschland sind damit auch alle Abfälle im sogenannten Kreislaufwirtschaftsgesetz KrWG subsummiert – und in Europa in der “Circula Economy”.  

Dabei sind in § 6 des KrWG die wesentlichen Grundlagen sehr übersichtlich aufgeschrieben:

(1)          Maßnahmen der Vermeidung und der Abfallbewirtschaftung stehen in folgender Rangfolge:

1.    Vermeidung,

2.    Vorbereitung zur Wiederverwendung,

3.    Recycling,

4.    sonstige Verwertung, insbesondere energetische Verwertung und Verfüllung,

5.    Beseitigung.

(2) Ausgehend von der Rangfolge nach Absatz 1 soll nach Maßgabe der §§ 7 und 8 diejenige Maßnahme Vorrang haben, die den Schutz von Mensch und Umwelt bei der Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen unter Berücksichtigung des Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzips am besten gewährleistet. Für die Betrachtung der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt nach Satz 1 ist der gesamte Lebenszyklus des Abfalls zugrunde zu legen. Hierbei sind insbesondere zu berücksichtigen

1.    die zu erwartenden Emissionen,

2.    das Maß der Schonung der natürlichen Ressourcen,

3.    die einzusetzende oder zu gewinnende Energie sowie

4.    die Anreicherung von Schadstoffen in Erzeugnissen, in Abfällen zur Verwertung oder in daraus gewonnenen Erzeugnissen.

Die technische Möglichkeit, die wirtschaftliche Zumutbarkeit und die sozialen Folgen der Maßnahme sind zu beachten.

(3) Die Anlage 5 enthält eine nicht abschließende Liste von Beispielen für Maßnahmen und wirtschaftliche Instrumente zur Schaffung von Anreizen für die Anwendung der Abfallhierarchie von Verwertungsverfahren.

…und dann demnächst im Buch die weiteren Inhalte.

(Wer sich vorstellen kann, ein solches Buch mit vielen Fotos und Grafik zu erwerben, kann mir schon heute eine Mail schicken an info@richard-adriaans.de)